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Was treibt einen Menschen eigentlich dazu an, sich jeden Tag acht Stunden im Training zu quälen, sich ständig über Grenzen zu zwingen, die man nun wirklich nicht gehen will? Was veranlasst einen Sportler, sich mit all seinen Stärken und Schwächen der Öffentlichkeit zu stellen, die gnadenlos über einen urteilen kann, wenn man seine Leistung nicht erbringt? Ist es Geld, ist es Ruhm, ist es Anerkennung? Von allem ein bisschen und nichts davon wirklich.
Wenn man von Kindesbeinen an mit Tennis aufwächst und sich ständig Auge in Auge mit seinen Rivalen misst, verblassen diese (zugegeben angenehmen) Begleiteffekte. Die intensiven Emotionen, die man in einem Match erlebt, kann man mit nichts anderem vergleichen, geschweige denn in einem anderen Beruf finden. Ich, als sowieso schon temperamentvoller und emotionaler Mensch, durchlebe in einer Partie von Wut, Trauer, Verzweiflung, Enttäuschung über Freude, Euphorie, Stolz und Glück das komplette Spektrum der Gefühle. Manche Menschen springen aus Flugzeugen, fahren Ski oder sehr schnell Auto, andere wechseln ihre Lebenspartner und nehmen Drogen, um Extreme zu leben. Ich setze mich immer wieder aufs Neue in eine Achterbahn der Gefühle und kann damit glücklicherweise meinen Lebensunterhalt verdienen.
Das Messen mit dem Gegner, das Streben nach unerreichbarer Perfektion, die von vielen unterschätzte mentale Herausforderung, die Erlösung nach einem verwandelten Matchball - all das gibt meinem Leben den Kick, den es braucht, um interessant, abwechslungsreich und vor allem lebenswert zu bleiben.
Karrierehighlights
Eines meiner absoluten Karrierehighlights ist mein allererster Fed-Cup-Aufstieg in die erste Weltgruppe in Japan. Und das, obwohl ich nicht einen einzigen Ballwechsel dazu beigetragen habe. Die Euphorie, die nach dem letzten Matchball ausbrach, und die wir gemeinsam im Team teilen konnten, gehört zu einem der intensivsten Momente meiner noch jungen Karriere.
Ein weiterer Höhepunkt war mein erster Turniersieg auf der WTA-Tour in Bad Gastein, wo zum ersten Mal meine ganze Familie dabei war. Auch hier war es das größte Glück, meinen ersten Triumph mit meinen Liebsten teilen zu können. Das Ass, dass ich zum Matchball schlug, war vermutlich das schwierigste Ass in meiner bisherigen Laufbahn und hat gleichzeitig eine unbeschreibliche Erleichterung in mir ausgelöst. Es hat aber auch vieles geändert, mit dem ich noch lernen muss umzugehen.
Ein unvergesslicher Moment, der gleichzeitig auch eine meiner tragischsten Erinnerungen beinhaltet, ist meine allererste Teilnahme bei einem Grand Slam, den French Open. Ich qualifizierte mich sofort und überstand eine Runde, um dann der Top-20-Spielerin Marion Bartoli aus Frankreich nach gewonnenem ersten Satz und Break vor im zweiten noch zu unterliegen. Nach zahlreichen Teilnahmen bei kleineren ITF-Turnieren waren die French Open mein erstes Schnuppern in die große, weite Tenniswelt, die mich dort endgültig in ihre Fänge genommen hat. Bis heute sind die French Open mein liebstes Grand-Slam-Turnier.
Ein ebenfalls sehr schöner Erfolg war mein erster Deutscher Meistertitel bei den Aktiven und der diesjährige Deutsche Meistertitel mit meiner Bundesligamannschaft TC Benrath.
All die Erfolge und Siege, die ich auf der ITF-Tour geholt habe, stehen für sich und haben jeder einzelne etwas Besonderes an sich. Zum Beispiel mein erster Titel bei einem 10.000$-Turnier in der Türkei, wo ich zunächst vier Runde der Qualifikation überstehen musste und insgesamt zehn Tage alleine mit 15 irgendwo in Antalya vor mich hin vegetierte. Und doch habe ich noch genügend Platzhalter in meinem Gemüt für kommende erfolgreiche Jahre und Siege.
Meine Trainer
Mein erster und lebenslanger Trainer ist mein Vater Zoran. Von ihm habe ich das Tennisspielen erlernt, von ihm hat sich die Leidenschaft für diesen Sport auf mich übertragen und von ihm habe ich alle technischen Feinheiten vermittelt bekommen. Er ist immer ruhig und ausgeglichen, ungeachtet dessen, dass ich in jungen Jahren öfter einmal ausrastete, Schläger zerhackte und mich unmöglich benahm. Viele Leute forderten, er müsse mich zur Vernunft rufen und das würde nie gut gehen, weil er als Vater zu gut zu mir ist. Aber seine Geduld hat sich ausgezahlt. Ich habe meine Lektionen gelernt, habe mich und meine Nerven mehr unter Kontrolle und bin sehr ruhig geworden. Seine Trainingsphilosophie war stets auf Langfristigkeit ausgelegt und verlorene Matches standen nach abgeschlossener Analyse nicht mehr zur Debatte.
Da mein Vater allerdings auch Clubtrainer beim TEC Darmstadt ist, bin ich auf einen weiteren Trainer angewiesen, der mich auf meinen Turnieren rund um den Globus begleitet. Im Jahr 2010 hat mich der Niederländer Glen Schaap trainiert. Die Zusammenarbeit war sehr erfolgreich, doch leider ist Glen wegen diverser anderer Verpflichtungen nicht als Full-Time-Coach verfügbar. Daher ist nun der Serbe Petar Popovic mein Trainer. Wenn ich mich in Deutschland befinde, schwinge ich in der Schüttler-Waske-Akedemie in Offenbach den Schläger. Im Konditions- und Fitness-Bereich arbeite ich mit Mike Diehl zusammen.